Steht der Mensch im Mittelpunkt und nicht nur seine Pflegebedürftigkeit?
Ein neuer Lebensabschnitt beginnt dort, wo das vertraute Zuhause endet. Doch Pflegeheime können längst mehr sein als Orte der pflegerischen Versorgung. Sie können Räume sein, in denen Sicherheit, Struktur, Mitgestaltung und neue soziale Kontakte Raum bekommen. Um dies näher zu beleuchten hat sich das Leitungsteam der KAB Kulmain mit Frau Claudia Heier, Einrichtungsleitung und Herrn Kevin Wienerl, Pflegedienstleitung, kompetente Mitarbeiter des BRK Seniorenheims Haus Falkenstein in das Pfarrheim Kulmain eingeladen.
Im BRK Pflegeheim Haus Falkenstein zeigt sich dieser Ansatz greifbar. Für Frau Heier, Herrn Wienerl und dem Pflegeteam steht der Mensch hier im Mittelpunkt. Die Pflegekräfte legen Wert darauf, dass jedem Bewohner und jeder Bewohnerin mit Würde und Respekt begegnet wird. Die sogenannte Biographiearbeit ermöglicht durch die Kenntnis von vergangenen Lebenswegen ein besseres Verständnis und gibt dem Personal Orientierung, wie Hilfe am besten erlebt werden kann.
Im Heim gibt es vermehrt individuelle Zeiten für die morgendliche Pflege, und nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner müssen schon bis zum Frühstück fertig gewaschen sein. Das bedeutet mehr Zeit für die Pflegerinnen und Pfleger und mehr Selbstbestimmung für die Bewohner und Bewohnerinnen bei gleichzeitig klarer Tagesstruktur. Ein weiteres Plus: Man kann den Arzt frei wählen, wodurch Behandlungen und ggf. auch Termine mitbestimmt werden können.
Wer möchte, kann sich als private Leistung einen Termin beim Friseur oder zur Fußpflege geben lassen. Beide Dienstleister bzw. Dienstleisterinnen kommen dazu ins Haus. Lust auf Schokolade oder andere Lebensmittel? Kein Problem meinen Frau Heier und Herr Wienerl. Das Personal bestellt die gewünschten Dinge bei einem Supermarkt, ein Mitarbeiter des Supermarkts liefert die bestellte Ware ins Pflegeheim. Die Abrechnung erfolgt am Monatsende und der Betrag wird vom jeweiligen Taschengeldkonto abgebucht.
Das Personal des Seniorenheims kocht und wäscht für seine Bewohner und Bewohnerinnen noch selbst. Das sorgt für ein Gefühl von Normalität. Die Hausmeistertätigkeiten übernimmt der Maschinenring, wodurch Abläufe effizient organisiert sind, ohne dass die Bewohnerinnen und Bewohner sich zuständig fühlen müssen.
Für Abwechslung im Alltagsleben sorgen zudem regelmäßige Vorlese- und Leseangebote, auch aus der Tageszeitung. So sind die Männer und Frauen im Haus immer „up to date“ und es wird eifrig über das Tagesgeschehen diskutiert. Im Haus Falkenstein gibt es ein breites Angebot an Aktivitäten, das auch demenzgerechte Gedächtnistrainings, Bewegungsprogramme, Kreativkurse, Musik- und Lesekreise umfasst. Freiwilliges Engagement aus der unmittelbaren Nachbarschaft und aus dem Kemnather Umfeld stärken das Gemeinschaftsgefühl. Zwei Mädchen, die ein freiwilliges soziales Schuljahr absolvieren, kommen nach dem Schulunterricht ins Heim und erfreuen schon durch ihr Dasein die Bewohner und Bewohnerinnen.
Wenn sich ein Bewohner bzw. eine Bewohnerin noch dazu in der Lage fühlt ein kleines Haustier zu versorgen, so ist dies ebenfalls erlaubt.
Der schöne und geräumige Innenhof bietet Platz um Feste zu feiern, Tanzschritte zur lernen, Kinoabende zu organisieren und bietet auch Platz für familiäre Begegnungen. Besonders gefällt den Bewohnern, dass es durchaus möglich ist, gemeinsam zu kochen oder zu backen, oder z. B. sogar einen italienischen Abend auszurichten. In der Vergangenheit gab es sogar eine standesamtliche Trauung im Haus, so Claudia Heier.
Seit 2018 gibt es im BRK-Seniorenheim bereits die Möglichkeit der Tagespflege d’Hutzastubn. Hier werden die zu Pflegenden tagsüber betreut. Die Angehörigen werden so vom Pflegealltag entlastet und können eigenen Beschäftigungen nachgehen.
Derzeit arbeiten zehn Auszubildende im Haus, doch das Team würde sich über mehr Jugendliche freuen, die eine Ausbildung in der Pflege beginnen möchten. Mit frischem Elan und neuen Perspektiven bereichern die Auszubildenden das Miteinander und stärken die Zukunft der Pflege.
Im Heim engagieren sich aktuell 30 ehrenamtlich Tätige, die mit den Heimbewohnern zum Beispiel im Sommer die Eisdiele besuchen oder auch schon mal mit ihnen zum Wiesenfest fahren. Frau Heier und Herr Wienerl untermalten ihren lebendig erzählten Bericht durch aussagekräftige Fotos in einer PowerPoint-Präsentation, sodass die Besucherinnen und Besucher im Pfarrheim einen lebhaften Eindruck vom Alltag im Haus erhielten.
Neue soziale Impulse entstehen dort, wo Offenheit und Neugier herrschen. Der Austausch zwischen Generationen, das Teilen von Lebensgeschichten, das Erzählen von Erfahrungen – all das schenkt Sinn. Auch der Blick nach außen bleibt wichtig: Durch Ausflüge, Spaziergänge in der Umgebung, Besuche von Theater- oder Konzertveranstaltungen wird der eigene Horizont erweitert, es verhindert zudem die soziale Isolation und stärkt das Gefühl der Teilhabe am Leben.
Frau Heier und Herr Wienerl luden die interessierten Zuhörer ein, sich bei Bedarf selbst ein Bild vom Alltag im Haus Falkenstein zu machen. Sie beraten und informieren Interessierte gerne unverbindlich – auch zu den Finanzierungsmöglichkeiten.
Christine Sollfrank, die Sprecherin des KAB-Leitungsteams, bedankte sich mit einem kleinen Geschenk herzlich bei Frau Heier und Herrn Wienerl.
Text: Christine Sollfrank
Bild: Albert Sollfrank