Von den Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt.
Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) sieht in der Enzyklika „Magnifica Humanitas“ einen klaren sozialethischen Orientierungsrahmen für das Zeitalter Künstlicher Intelligenz. Im Zentrum steht für die KAB – in ausdrücklicher Anknüpfung an die Enzyklika – die Grundspannung der katholischen Soziallehre: die unverfügbare Würde der menschlichen Person und das Gemeinwohl als Voraussetzung gesellschaftlicher Ordnung.
Diese beiden Prinzipien dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Sie gehören zusammen. Genau diese Spannung wird durch digitale Technologien neu zugespitzt.
Die Enzyklika macht aus Sicht der KAB deutlich: Künstliche Intelligenz ist nicht nur eine technische Frage, sondern eine Frage der gesellschaftlichen Ordnung und der Verantwortung des Menschen.
Papst Leo XIV. sieht in der Technik keinen Feind des Menschen, vielmehr ist auch die KI ein Ausdruck der menschlichen Kreativität und der andauernden Verbesserung der Lebensverhältnisse. Dennoch ist sie nicht neutral. Sie trägt vielmehr in ihren Grundzügen die Züge derer, die sie entwerfen, finanzieren, regulieren und auch nutzen.
Die KAB sieht hier eine deutliche Warnung vor einer doppelten Entwicklung: einer wachsenden Individualisierung von Lebenswirklichkeiten einerseits und einer zunehmenden Konzentration von Entscheidungsmacht in den Datensystemen weniger Menschen oder Personengruppen.
Besonders wichtig ist auch der Unterschied zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz. Während die KI den Menschen an Rechenleistung und Schnelligkeit weit übertrifft, macht sie keine menschlichen Erfahrungen, kann weder Freude noch Schmerz empfinden, ist nicht zu menschlichen Beziehungen fähig. Sie hat kein eigenes Gewissen zur Unterscheidung von Gut und Böse und kann daher auch keine Verantwortung für die Folgen des eigenen Handelns tragen. Der Mensch kann im Gegensatz zur KI nicht nur produzieren, sondern auch verstehen, was seine Handlungen bewirken und auslösen.
Daher bleibt für die KAB das von der Enzyklika genannte „Primat des Menschen“ (MH 97) auch die Leitlinie allen menschlichen und gesellschaftlichen Handelns. Der Würde und der Einzigartigkeit eines jeden Menschen kann die Gesellschaft, aber auch der Einzelne, nur gerecht werden, wenn der Mensch mit seinem Gewissen als Entscheidungsinstanz erhalten bleibt.
Für die KAB ist und bleibt daher Arbeit – in vollkommener Übereinstimmung mit Papst Leo XIV – weit mehr als ein Produktionsablauf. KI darf die Arbeit des Menschen erleichtern und transformieren, letztlich aber nicht überflüssig machen. Auch der technische Fortschritt muss menschlich und in Beziehungen gestaltet sein. Denn Arbeit ist auch ein Ausdruck der Würde des einzelnen Menschen.
Die KAB wird die Impulse der Enzyklika in ihre Bildungsarbeit einbringen und kritisch fragen, wie Personalität und Gemeinwohl unter den Bedingungen des technischen Fortschrittes der KI gesichert werden können.
Denn: Eine Gesellschaft ist nur dann zukunftsfähig, wenn sie auch in der technischen Weiterentwicklung den Menschen als Person ernst nimmt und das Gemeinwohl fördert.
Bild: KAB